Die Rollei 35 TE
(Eine kleine Bedienungsanleitung)


Abbildungen, wenn nicht anders angeführt: © Leicashop Wien

 

Ich zeige Ihnen die Bedienung der Rollei 35 und der daraus entwickelten Modelle an Hand einer Rollei 35 TE.

Ich verwende dieses Modell als Grundlage der Beschreibung, weil die Bedienung letztlich bei allen anderen Modellen gleich ist, die Rollei 35 TE aber heutzutage den besten Gegenwert für Ihr Geld bietet. Eine gut erhaltene und funktionsfähige 35 TE erhalten Sie im Gebrauchthandel sicher für wenig mehr als 120 €, bei Ebay teils wesentlich billiger (dafür in der Regel ohne Gewährleistung, was viel Vertrauen in den Verkäufer voraussetzt). Ihr Gebrauchswert ist höher als der der 35 und 35T, die naturgemäß auch älter sind.

Gewiss, manche sagen, sei das Sonnar 2,8/40  das bessere Objektiv. Mag sein, doch den Unterschied sehen Sie nicht an den Aufnahmen üblicher Motive. Aber es gibt Leute, die Ziegelwände aus 3 Meter Entfernung fotografieren, die Negative stark vergrößern (lassen) und die Linien in den Ecken der Vergrößerungen mit der Lupe prüfen. Sind Sie so einer/eine, dann sollten Sie eine Rollei 35 SE kaufen

Ist kein Film in der Kamera, lösen Sie 1x aus und ziehen Sie den Verschluss durch Betätigung des Schnellschalthebels auf (ungewöhnlich, weil links, aber das ist durch die Kleinheit der Kamera und die dadurch notwendige Anordnung der Filmpatrone bedingt). Durch Ziehen des kleinen Druckknopfs neben dem Objektiv in Richtung des runden Fensters des Belichtungsmessers lösen Sie die Objektivverriegelung und ziehen das Objektiv aus dem Gehäuse und verriegeln es durch eine Drehung nach links (Kamera in Aufnahmehaltung).

 

Um den Film einzulegen, ziehen Sie die Rückwand nach unten ab, nachdem Sie den kleinen Hebel am Boden der Kamera neben dem Zubehörschuh nach hinten geschoben haben.


© Peter Lausch

Klappen Sie danach die Filmandruckplatte auf, legen den Film wie üblich ein, wenn auch sozusagen seitenverkehrt: Die Patrone mit dem Film wird auf der rechten Seite eingelegt (in Aufnahmehaltung gesehen).  Prüfen Sie, ob die Zähne der Filmtransportwalze in die Perforation eingreifen. Wenn ja, straffen Sie den Film, legen die Andruckplatte wieder um und schließen die Kamera. Stellen Sie nun an der Vorderseite des Blendenrades (rechts vom Objektiv) die passende Filmempfindlichkeit ein – als die Rollei 35 auf den Markt kam, war die DX-Codierung der Filme noch nicht erfunden. Die Empfindlichkeitsangabe in DIN ist obsolet geworden, die Zahlen der ASA-Angaben entsprechen der heute üblichen Angabe in ISO. Machen Sie nun die üblichen 2 Leeraufnahmen und die Kamera ist bereit für die 1. Aufnahme.

Visieren Sie das Motiv an und drücken Sie den Auslöser halb durch. Lässt er sich nicht eindrücken, prüfen Sie, ob Sie den Film mit dem Transporthebel transportiert und den Verschluss gespannt haben. Der Belichtungsmesser funktioniert nur bei gespanntem Verschluss. Drehen Sie nun an Zeit- und/oder Blendenrad, bis eine grüne Leuchtdiode rechts im Sucher aufleuchtet. Lassen Sie den Auslöser los, die Diode leuchtet etwa 10 Sekunden weiter.  Zeit- und Blendenrad zeigen die gewählte Zeit- und Blendenkombination an. Passt Sie Ihnen nicht, verstellen Sie beides entsprechend (zum Beispiel 1/125 Sekunde/Blende 8 = 1/250 Sekunde/Blende 5,6). Belichtungsautomatiken suchen Sie an der Kamera vergebens, es gibt sie weder an der Rollei 35 TE noch an einem anderen Modell dieser Baureihe.

Solange Zeit und Blende nicht passend eingestellt sind, leuchtet eine von 2 roten Leuchtdioden, eine zeigt deutliche Unterbelichtung, die andere deutliche Überbelichtung. Leuchtet trotz Druck auf den Auslöser keine Diode, weder rot noch grün, drücken Sie vielleicht zu schwach. <Den Auslöser halb durchdrücken> ist eine Sache der Erfahrung. Alle heiligen Zeiten liegt die Ursache wo anders. Die Batterie ist leer. Drücken Sie den Knopf unterhalb des schwarzen Batteriefachs in Pfeilrichtung und wechseln Sie die Batterie. Die auf der Halterung aufgedruckte Batterie PX27 vom Mallory gibt es nicht mehr, nehmen Sie eine gleichgroße Silberoxyd- oder Alkalibatterie mit 6 Volt oder 4 entsprechende Knopfzellen, z. B. die V386 Silberoxydbatterien von Varta mit 1,55 V Spannung (Elektromärkte haben so etwas heutzutage häufiger als Fotohändler, eine Suche bei Google ergibt viele Angebote).

Schätzen Sie die Entfernung zum Motiv und stellen Sie die Entfernung vorne am Objektiv ein.  Die Kamera hat keinen Entfernungsmesser und natürlich auch keinen Autofokus. Der Bereich der Schärfentiefe bei der eingestellten Blende (z. B. Blende 8) wird an der Skala hinter der Entfernungsskala angegeben. Bei Blende 8 wird alles ausreichend scharf, was zwischen den beiden Achtern der Schärfentiefeskala angezeigt wird. Bei Blende 3,5 und einer eingestellten Entfernung von 2 Metern ist der Schärfebereich einigermaßen schwierig abzulesen. Ganz offen: Für derartige Aufnahmen aus der Nähe bei offener Blende ist die Kamera durchaus nicht ideal. Das ist der Preis der Kleinheit. Aber für die üblichen Landschaftsaufnahmen, für Reisefotografie allgemein, überhaupt für Fotos aus größeren Entfernungen reicht es. Im Zweifel müssten Sie die Entfernung ausmessen.

Drücken Sie den Auslöser. Der Zentralverschluss ist leise und gut gedämpft. Da die Kamera indessen klein und relativ leicht ist, verreißt man sie bei Aufnahmen relativ leicht. Achten Sie daher auf eine ruhige Haltung. Transportieren Sie den Film mit dem Schnellschalthebel weiter – einen Motor suchen Sie vergebens.

Wollen Sie ein Blitzgerät verwenden? Können Sie. Nehmen Sie eines mit Mittenkontakt, die Kamera ist entsprechend ausgestattet. Haben Sie noch eines der früher einmal als <Computerblitz> bezeichneten Sorte, sind Sie fein raus. Sie stellen am Blitz eine passende Blende ein, die vom verwendeten Film und seiner Empfindlichkeit abhängt und an der Kamera den entsprechenden Wert. Als Zeit nehmen Sie für den Anfang 1/60 bzw. 1/125.  Einen <Computerblitz> erkennen Sie an der Einstellung A bzw. lesen Sie die Betriebsanleitung des Blitzes. Diese Einstellung A beherrschen auch heute noch bessere Blitze der großen Hersteller, alte Blitze ohnehin. Blitzen können Sie dank Zentralverschluss an sich mit allen Belichtungszeiten – wann Sie eine kürzere oder längere Belichtungszeit sinnvoll nützen, erklärt die entsprechende Literatur.

Sie wollen selbst auch auf der Aufnahme drauf sein? Kein Problem, bitten Sie einen vertrauenswürdigen Menschen, er solle eine Aufnahme von Ihnen machen. Gehbehinderte Bettler am Strand von Copacabana sind nicht geeignet, wenn Sie Ihre Rollei gern weiterhin benützen wollen. Wunder gibt es aber nicht nur in Lourdes, auch gehbehinderte Bettler lernen wieder laufen, und wie. Aber ich will nix gegen arme Behinderte in Brasilien sagen. Der langen Rede und des Sarkasmus kurzer Sinn: Ein Selbstauslöser fehlt der Kamera.

Reicht es Ihnen und Sie haben fotografiert, was Sie fotografieren wollten, entriegeln Sie das Objektiv und schieben Sie es ins Gehäuse. So trägt sich die Kamera leichter im Sakko oder in der Tasche. Eine eigentliche Bereitschaftstasche suchen Sie vergeblich, es gibt keine. Es gibt nur einen Zippbeutel und eine Handschlaufe. Wenn Sie so etwas wollen, haben Sie beim Kauf der Kamera hoffentlich darauf geachtet, dass beides im Lieferumfang enthalten ist. Nachkaufen können Sie weder das eine noch das andere – unter uns, notwendig sind diese Dinge ohnehin nicht. Filter gab es seinerzeit, sie sind heute schwierig zu finden, am ehesten noch über Ebay. Überlegen Sie sich, ob Sie einen solchen Filter brauchen. Die meisten Leute fotografieren heute mit Farbnegativfilm, Farbstiche etc. werden beim Vergrößern mehr oder minder automatisch ausgeglichen.

Haben Sie den ganzen Film vollfotografiert, drehen Sie nach der letzten Aufnahme den Hebel neben dem Suchereinblick nach oben, sodass er das kleine R verdeckt. Dadurch wird die interne Sperre gelöst und Sie können den Film mit dem Rückspulhebel am Boden der Kamera in die Patrone zurückspulen. Öffnen Sie sodann die Rückwand wie eingangs beschrieben und entnehmen Sie den belichteten Film. Das war’s. Hoffentlich gefallen Ihnen die Vergrößerungen.

 

Zurück zur Geschichte der Fa. Rollei
 

Zurück zur Kameraseite    l    Zurück zur Startseite

Impressum 
 

© PETER LAUSCH/2007
Verfasst: 21. Dezember 2007

 Hinauf