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Leotax FV
Eine interessante Kamera

 

 

Beschreibung der Leotax FV:

 

Das hier vorgestellte Modell Leotax FV der Baureihe ist innerhalb der Leica-Copies in mancher Hinsicht bedeutsam und das letzte hochklassige Modell der Leotax. Nach der Leotax FV wurden von der Firma noch 2 geringfügig vereinfachte Modelle (Leotax TV2, gleich FV, aber keine 1/1000 sec. Verschlusszeit, T2L, wie FV, aber ohne 1/1000 sec. Verschlusszeit und ohne Selbstauslöser) sowie die schon erwähnte Leotax G angeboten. Die hätte zwar von ihren Eigenschaften her das Zeug gehabt, sozusagen die Krönung der Baureihe zu werden, leidet jedoch unter mancherlei mechanischen Mängeln, die heutzutage nicht mehr wirklich repariert werden können, vor allem an einem allzu leicht brechenden Rückspulhebel.

Die Leotax FV wurde von August 1958 bis zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt im Jahre 1959 gebaut, in einer geschätzten Gesamtstückzahl von 2000 bis 3000 Stück, den Gehäusenummern der in Sammlerhand bekanntgewordenen Exemplare nach zu schließen (802 xxx bis 804 xxx). Sie weist Belichtungszeiten von T, 1-30sec auf, die mit dem Langzeitknopf an der Gehäusevorderseite eingestellt werden können, sowie ferner B,  1/30, 1/60 – 1/1000 sec auf, die mit dem Zeitenknopf auf der Gehäuseoberseite eingestellt werden. Die Kamera ist für Elektronenblitze synchronisiert, während die gleichzeitig erzeugten Leicas If, IIf, IIIf und IIIg sowie die seltene Ig auch für Blitzbirnchen synchronisiert werden konnten. Die von Leotax vorgenommene Beschränkung der Synchronisationsmöglichkeiten vereinfacht einerseits den Aufbau der kamerainternen  Synchronisation wesentlich und ist andererseits nicht wirklich wesentlich gewesen, weil damals in Japan und den USA die Blitzbirnchen bereits weitgehend von Elektronenblitzen ersetzt waren. Heute gibt es sie seit Jahrzehnten praktisch nicht mehr zu kaufen und die fehlende Synchronisation für Blitzbirnchen geht niemandem mehr ab. Sucher und Entfernungsmesser entsprechen weitestgehend denen der Leicas mit Schraubgewinde. Der eingebaute und, wie bei den entsprechenden Modellen der Leica an der Gehäusevorderseite angebrachte Selbstauslöser hat eine Vorlaufzeit von ca. 10 Sekunden.

Sowohl Filmtransport als auch Filmrückspulung sind freilich fortschrittlicher als bei den Leicas mit Schraubverschluss. Leitz hat es nie fertig gebracht, eine  Schraubleica mit Schnelltransporthebel zu konstruieren – die Leotax FV besitzt einen und er erweist sich als ebenso praktisch wie bei allen anderen Kameras des Weltmarktes, damals und später. Und ferner hat Leotax in den Rückspulknopf unter Beibehaltung der typischen Form (von den Leicas abgeleitet) eine Transportkurbel eingebaut, welche die Filmrückspulung wesentlich beschleunigt – irgendjemand bei Leitz wollte so etwas auch nicht, im Gegensatz zur Konkurrenz.

 Von den Vorgängermodellen aus dem eigenen Haus unterscheidet sich die FV daneben durch einige weitere Besonderheiten:

  • der Auslöser ist auf der Oberseite nunmehr an der Frontseite,

  • fürs Filmrückspulen dreht man nicht wie bisher bei Leotax und Leica einen Hebel auf der Oberseite des Gehäuses, sondern einen Ring um den Auslöser auf eine entsprechende Markierung

  • rechts vom Auslöser  ist vor dem Transporthebel das Filmzählwerk sichtbar, das nach dem Einlegen eines Films und 2 Leeraufnahen manuell mit dem Zahnrad rechts außen eingestellt werden muss,

  • hinter dem Auslöser ist ein rundes Fenster, in dem sich zum Zeichen, dass der Film transportiert wird, eine Scheibe mit einem weißen Punkt dreht – zusätzlich kann man auch noch die sich dabei drehende Achse des Rückspulknopfes beobachten.

 Die Leotax FV wurde üblicher Weise mit dem aus der Abbildung ersichtlichen Topcor 2/50 mm ausgeliefert – Leotax erzeugte keine eigenen Objektive, sondern kaufte sie ab ca. 1955 von Tokyo Kogaku zu. Das 2/50 mm wurde üblicher Weise mit der Kamera angeboten, es gab jedoch für Sparfüchse von Topcon auch ein 3,5/50 mm und ein 1,5/50 mm, die indessen beide heute  selten mit der Kamera in den Handel gelangen.

 Das Topcor gibt es in mehreren Ausführungen mit leicht unterschiedlichem Aussehen, z. B. in einer ganz verchromten Fassung. Macht nichts, aber an einer FV wäre diese Ausführung ein Stilbruch und Sammler würden die Nase rümpfen.

 Infolge des universellen Leica-Schraubgewindes konnte und kann man jedoch, so man will, auch – fast – jedes andere Objektiv des Weltmarktes verwenden, das an eine Leica mit Schraubgewinde passt.

Zusammenfassung:

Ich denke, die Leotax FV ist in mancher Hinsicht den zeitgenössischen Leicas mit Schraubgewinde überlegen, das Topcor 2/50 mm ist von den Ergebnissen her denen eines Summicrons 2/50 mit Schraubgewinde gleichwertig. Ich finde den Transporthebel praktisch, ich finde den Rückspulhebel nützlich und den Leuchtrahmen im Sucher ebenfalls.

 Ob Sie sich eine Leotax FV kaufen sollten oder eine, sagen wir, Leica IIIf? Kommt darauf an. Sind Sie Optimist, kaufen Sie die im Durchschnitt etwas teurere, weil seltenere Leotax FV, sie ist bequemer zu bedienen – nur das Filmeinlegen ist genauso umständlich wie bei der IIIf. Sind Sie Pessimist, denken Sie daran, dass Sie eine 50 Jahre alte Kamera erstehen, von der man im Vorhinein nicht weiß, ob man sie notfalls noch reparieren kann. Alte Leicas kann man reparieren – aber ehe Sie jubeln, die Reparaturkosten sind schnell höher als der Wert der Kameras und damit ist die eine wie die andere ein wirtschaftlicher Totalschaden. Risiko eines jeden Käufers, der mit seinen alten Kameras nicht bloß in der Vitrine prahlen möchte, sondern sie auch, dann und wann, benutzen, um sich zu erinnern (oder vorzustellen), wie die Leute seinerzeit fotografiert haben.

Wie viel eine Leotax FV kostet? Kommt auf den Erhaltungszustand an.  Die abgebildete Leotax FV in sehr schönem Zustand kostete im Juni 2008 ganze € 600.

Zur Geschichte der Fa. Leotax

 

© PETER LAUSCH/2008
Erstellt am 24. September 2008

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